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Der Preis von Kautschuk ist in den vergangenen Monaten an der Tokyo Commodity Exchange nach einem Einbruch während der Krise explodiert und liegt auf Rekordniveau. Treibt der Ölpreis, während der Markt für Naturkautschuk gut versorgt ist?
Der Preis von Kautschuk ist in den vergangenen Monaten an der Tokyo Commodity Exchange nach einem Einbruch während der Krise geometrisch explodiert und hat von 97 Yen je Kilogramm im Dezember des Jahres 2008 um 318 Prozent auf zuletzt 408,6 Yen je Kilogramm zugenommen.
Der Preistrend zeigt kurzfristig weiter nach oben. Längerfristig scheint er nach der krisenbedingten Kurzunterbrechung den im Jahr 2001 etablierten Aufwärtstrend wieder aufgenommen zu haben. Diese Entwicklung lässt sich einerseits mit dem inzwischen ebenfalls wieder deutlich gestiegenen Ölpreis erklären, der zuletzt bei knapp 84 Dollar je Fass der Sorte WTI lag. Er führt dazu, dass die Produktionskosten von synthetischem Kautschuk zunehmen, der rund 60 Prozent des globalen Bedarfs deckt.
Der Kautschukpreis steigt stark ... Zudem haben die geld- und fiskalpolitischen Stimulierungsmaßnahmen in weiten Teilen der Welt zu einer rasanten Renaissance der LKW- und Automobilbranche geführt. Eine starke Nachfrage in diesen Bereichen zieht automatisch eine anziehende Nachfrage nach Kautschuk nach sich, da Neureifen aus diesem Material zusätzlich zum Ersatz von regelmäßig verschleißenden Altprodukten hergestellt werden müssen.
Die starke Nachfrage kommt nach Angaben der Freedonia Group vor allem aus Asien, primär aus China. Alleine von dort werde bis im Jahr 2013 rund ein Drittel der Neunachfrage kommen und zu einem Marktanteil von etwa 30 Prozent führt. Die Nachfrage werde um etwa 4,1 Prozent auf knapp 27 Millionen Tonnen zunehmen, heißt es weiter.
In China boomt die Wirtschaft aufgrund der gewaltigen keynesianischen Impulse, allen voran auch die Automobilindustrie. Während der Fahrzeugverkauf in Amerika im vergangenen Jahr um 21 Prozent auf 10,4 Millionen Einheiten sank, legte er in China um 46 Prozent auf 13,6 Millionen zu; so stark wie seit 20 Jahren nicht mehr. Die Zahl der verkauften Personenwagen wuchs sogar um 53 Prozent auf 10,3 Millionen und bescherte vielen Herstellern die besten Ergebnisse aller Zeiten. Nach Angaben des chinesischen Automobilverbands CAAM steigerten die 14.000 Kraftfahrzeughersteller und Zulieferer des Landes in den ersten elf Monaten des Jahres 2009 ihren Umsatz um 21 Prozent auf etwa 2800 Milliarden Yuan.
Das Potential des Marktes bleib enorm groß, da auf 1.000 Einwohner nicht einmal 60 Personen- oder Nutzfahrzeuge kämen, während es in Amerika oder Europa 300 bis 400 Fahrzeuge seien, heißt es. Gerade auch die deutschen Hersteller haben am Freitag verkündigt, ihre Verkaufszahlen im chinesischen Markt in den kommenden Jahren deutlich steigern zu wollen.
... obwohl der Markt für Naturkautschuk gut versorgt ist
Auf dieser Basis scheint der Preisauftrieb am Terminmarkt für Kautschuk eine gewisse Berechtigung zu haben. Auf der anderen Seite zeigen jedoch Daten des Rubber Institute of Thailand, dass in den vergangenen Jahren zumindest der Markt für Naturkautschuk gut versorgt war. Noch in 2009 wurde mit 3,164 Millionen Tonnen 16 Prozent mehr produziert als exportiert. Die Lagerbestände lagen zum Jahresende auf dem höchsten Stand seit mindestens zehn Jahren. Thailand ist mit Abstand der größte Anbauer von Naturkautschuk weltweit, gefolgt von Indonesien, Malaysia, Indien, China, Vietnam und einigen anderen kleineren. Indonesien produziert etwas mehr als die Hälfte und Malaysia gerade einmal der thailändischen Menge. Auf der anderen Seite haben die im vergangenen Jahr aufgebauten Lagerbestände an der Shanghai Futures Exchange in den vergangenen Monaten deutlich abgenommen.
Zusammen genommen erklärt sich der Preisauftrieb einerseits durch den hohen Ölpreis, sowie durch die starke Nachfrage von Seiten der hoch subventionierten Autoindustrie als auch durch eine spekulative Eigendynamik, die sich durch den geometrischen Preisauftrieb erkennen lässt. Solche Preis- und Kursformationen waren in der Vergangenheit regelässig vor größeren Preis- und Kurskorrekturen zu beobachten. In diesem Sinne könnte es ratsam sein, in Zertifikate wie dem (Kautschuk) Quanto Open End Zertifikat (Isin DE000AA0RUB7) der RBS an Gewinnmitnahmen zu denken, nachdem es deutlich hinter der Preisentwicklung am Terminmarkt zurückgeblieben ist.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: AFP, Bloomberg, Delticom, FAZ.NET
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