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Vietnams Papierindustrie weiter auf Wachstumskurs

Der vietnamesische Papierkonsum weist hohe Zuwachsraten auf. Der Pro-Kopf-Verbrauch ist aber nach wie vor niedrig, das Nachholpotenzial enorm. Für die nächsten Jahre ist mit weiteren Neuinvestitionen zu rechnen. In der Folge gibt es eine große Nachfrage nach Papiermaschinen und Anlagen zur Abwasserreinigung sowie anderen damit verbundenen Ausrüstungen. Deutsche und andere europäische Marken stehen hoch im Kurs. Groß ist auch das Interesse an soliden Gebrauchtmaschinen.

Rund 1,1 Mio. t Papier und 0,3 Mio. t Zellstoff produziert die vietnamesische Wirtschaft jedes Jahr bei stetig steigendem Papierverbrauch. Auch 2009 wuchs der Binnenabsatz trotz geringerer Nachfrage aus der Exportwirtschaft erneut um 10,5%. Die inländische Produktion legte dagegen nur um 1,7% zu und deckte etwa die Hälfte des heimischen Marktes ab. Für die nächsten Jahre wird mit durchschnittlichen Wachstumsraten zwischen 13 und 15% gerechnet. In der Tat liegt der Pro-Kopf-Konsum von Papier und Pappe mit 25,8 kg (2009) nach wie vor verhältnismäßig niedrig. Die Vietnam Paper and Pulp Association (VPPA) prognostiziert jedoch einen Anstieg auf 42 kg bis 2015.

 

Eckdaten zur Papier- und Zellstoffindustrie (in t)

 

 

2005

2007

2008

2009

Papier

 

 

 

 

Produktion

833.560

1.130.000

1.114.416

1.133.831

Export

164.403

191.500

117.000

60.000

Import

650.391

951.092

1.006.394

1.141.190

Verbrauch

1.328.700

1.889.592

2.003.810

2.215.021

Pro-Kopf-Verbrauch (in kg)

16,18

22,55

23,63

25,82

Zellstoff

 

 

 

 

Produktion

250.000

301.000

345.000

300.000

Export

-

-

-

-

Import

125.883

107.141

133.860

99.800

Verbrauch

364.826

408.141

478.860

399.800

Quelle: VPPA

Über die Zahl der Papiermühlen in Vietnam existieren keine genauen Statistiken. Die in der Presse zu findende Zahl von 500 könne allenfalls eine grobe Schätzung sein, so Vu Ngoc Bao, Vorsitzender der Vietnam Pulp & Paper Association (VPPA). Sicher ist, dass es drei große Papiermühlen mit einer Kapazität von über 100.000 t im Jahr gibt.

Die größte und modernste Anlage betreibt Vina Kraft im südlichen Binh Duong mit einer Jahreskapazität von 220.000 t Kraftpapier und anderen Papiererzeugnissen. Sie wurde Anfang 2010 nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht und arbeitet mit Papiermaschinen "Made in Germany". Die Vina Kraft Papierfabrik beliefert überwiegend die Nahrungsmittelindustrie, die Bekleidungs- und Schuhindustrie sowie die Elektronikbranche. Noch für 2010 sind ein Umsatzvolumen von 75 Mio. $ und ein Marktanteil bei Kraftpapieren von 20% angepeilt (weiterer wichtiger Anbieter ist Cheng Yang mit einem Anteil von 10%). Vina Kraft gehört zu 70% der thailändischen Siam Cement Group (SCG) und zu 30% der Rengo Group aus Japan. Das Gesamtinvestitionsvolumen beträgt umgerechnet 180 Mio. $. Die Nachfrage nach Kraftpapier hat in den letzten Jahren jedes Jahr im Durchschnitt um 20% zugenommen. Für 2010 schätzt die VPPA den Importbedarf auf über 1 Mio. t.

Zweitgrößter Papierhersteller und einziger Zeitungspapierproduzent des Landes ist die Tan Mai Paper Group mit einer Kapazität von 150.000 jato. Tan Mai hält bei Zeitungspapier einen Marktanteil von 50%. Die andere Hälfte sind Importprodukte. Anfang 2010 startete die Gruppe den Bau zweier weiterer Zellstoff- und Papierfabriken - eine im zentralvietnamesischen Kon Tum, die andere in Dong Nai im Süden (150.000 t Zeitungspapier). Das Projekt in Kon Tum soll 2012 seinen Betrieb aufnehmen und wird das größte Werk des Landes sein (130.000 t Zellstoff, 200.000 t Druck- und Schreibpapier). Laut Zeitungsmeldungen sollen 5 Mio. $ in die Errichtung von Anlagen zur Abwasserbehandlung fließen. 2013 ist für 108 Mio. $ die Inbetriebnahme einer weiteren Zellstoff- und Papiermühle in Quang Ngai geplant (Jahresproduktion/-kapazität jeweils 130.000 t Zellstoff, 200.000 t Papier).

Dagegen entwickeln sich die Projekte der Vietnam National Paper Corporation (Vinapaco) eher schleppend. Der einstige Branchenprimus ist auf den dritten Rang unter den Papierherstellern abgerutscht (Kapazität 130.000 t; Marktanteil bei Druck- und Schreibpapier 30%). Zwar kündigte der staatliche Papiergigant für 2010 an, seine Produktion gegenüber dem eher schlechten Jahr 2009 auf 300.000 t mehr als zu verdoppeln und hierfür umgerechnet 89 Mio. $ zu investieren. Dennoch mahnte das Ministry of Industry and Trade die Fertigstellung der verzögerten Projekte an. Dies gilt insbesondere für die Thanh-Hoa-Papier- und Zellstofffabrik (100.000 t Zellstoff, 100.000 bis 130.000 t Papier), für die zweite Phase der Bai-Bang-Papierfabrik in Phu Tho im Norden (Erweiterung auf 250.000 t Zellstoff) sowie für die Phuang-Nam-Papierfabrik im südlichen Long An. Zumindest wurde im Juni die Ausschreibung der Papiermaschinen für Thanh Hoa abgeschlossen.

Neben den drei großen gibt es fünf mittelgroße Firmen mit einer Jahreskapazität von 50.000 bis 100.000 t. Diese sind Saigon Paper Mill (80.000 t), An Binh Paper Mill (75.000 t), Viet Tri Paper Mill (80.000 t), Dong Hai Paper Mill (60.000 t) und My Huong Paper Mill (50.000 t). Insbesondere den kleinen und Kleinstfirmen sei kein langes Leben beschieden, so die Ansicht des Verbandes. Erstens arbeiteten sie mit rückständiger, vielfach billig aus der VR China importierter Technologie und könnten deshalb den wachsenden Kundenansprüchen auf Dauer nicht genügen. Zweitens erfüllten sie in der Regel auch die nationalen Umweltauflagen nicht. Zwar drückten viele Behörden gegen gewisse finanzielle Zahlungen beide Augen zu. Die VPPA geht aber davon aus, dass solche Firmen früher oder später aufgeben müssen.

Grundsätzlich lässt sich in Sachen Umwelt und Ressourcenschutz noch Vieles verbessern. Vor allem der Wasserverbrauch der Branche ist enorm. Wie die "Vietnam Economic News" ausführte, verbrauchen vietnamesische Firmen zur Herstellung einer Tonne Papier zwischen 30 und 100 cbm Wasser, während in Industrieländern nur etwa 7 bis 15 cbm gebraucht würden.

Trotz der insgesamt guten Wachstumsperspektiven klagt die Branche über steigende Produktionskosten. Angesichts einer Importabhängigkeit bei Zellstoff von 40% machen den Herstellern die international stark gestiegenen Preise für den Rohstoff zu schaffen. Hinzu kommen höhere Strom- und Wassertarife. Allein in den ersten fünf Monaten 2010 mussten die lokalen Papierhersteller ihre Preise deshalb um rund 15% erhöhen, in Einzelfällen sogar um 30 oder 40%. Allerdings bedarf es zur Verringerung der Importabhängigkeit von Zellstoffimporten nicht nur des Aufbaus entsprechender Werke zur Zellstoffverarbeitung, sonders auch der Anlage von Plantagenwäldern, die den erforderlichen Grundstoff liefern könnten.

In dieser Situation könnte die verstärkte Nutzung von Altpapier Entlastung bringen. Tatsächlich wird aber etwa die Hälfte des im Land weiterverarbeiteten Altpapiers eingeführt, während sich die eigene Recycling-Quote laut VPPA gerade einmal um 25% bewegt. Damit zählt Vietnam im regionalen Vergleich zu den Schlusslichtern (Thailand: 65%; VR China: 31%). Es fehle an finanziellen oder anderen Anreizen, so der Verband. Einen interessanten Ansatz verfolgt dabei die Phong Chau Paper Joint Stock Company, welche in Phu Tho Kraftpapiere aus Bambus und Altpapier herstellt. Die Jahreskapazität beträgt 10.000 t.

Trotz aller Anstrengungen konnten die Neuinvestitionen die Differenz zur steigenden Nachfrage bislang nicht schließen: 2010 dürfte Vietnam für den Import von Papiererzeugnissen schätzungsweise 1,6 Mrd. $ ausgeben. Besonders groß sind die Engpässe aufgrund der in den letzten Jahren boomenden Exportwirtschaft bei Kraftpapier beziehungsweise generell bei Verpackungsmaterial. Tatsächlich verzögern sich angekündigte Investitionsprojekte immer wieder um Jahre. So kommt das Vorhaben eines der größten chinesischen Wellpappenanbieter, der in Hongkong (SVR) gelisteten Lee & Man, seit der Vergabe des Investitionszertifikats 2007 nicht von der Stelle. Gedacht ist an die Errichtung einer Wellpappenproduktion in der Provinz Hau Giang, südlich von Ho-Chi-Minh-City (Jahreskapazität: 420.000 t Verpackungspapier, außerdem 150.000 t Zellstoff) für umgerechnet 600 Mio. $.

Die VPPA schließt indessen nicht aus, dass sich vielleicht auch andere Investoren für das gut kalkulierte Konzept interessieren könnten. Europäische Firmen sind bislang nur als Lieferanten in Vietnam präsent, neben Voith (Deutschland) sind dies Andritz aus Österreich und Metso aus Finnland. "Die Zukunft ist europäisch", so Vu Ngoc Bao.

Besonders groß ist das Interesse an Gebrauchtmaschinen von Branchenfirmen, die aufgrund der weltweiten Konjunkturprobleme ins Staucheln geraten sind. Beispielsweise hat die Tan Mai Paper Group groß im Ausland eingekauft, so im Juli 2009 eine Produktionslinie im Wert von 99,5 Mio. $ sowie bereits 2007 eine komplette Fabrik mit einer Jahreskapazität von 100.000 t. Eingesetzt werden die Anlagen in den Werken Dong Nai, Kon Tum, Quang Ngai und Lam Dong.

Quelle: Stefanie Schmitt - Germany Trade & Invest

 
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