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Weil die japanische Wirtschaft derzeit nicht richtig in Fahrt kommt und die Exportnation dringend neue Absatzmärkte braucht, wirbt die Regierung in Tokio massiv für die heimische Industrie. Heimische Schnellzüge und Atomkraftwerke sollen der lahmenden Wirtschaft wieder auf die Sprünge helfen. Japans bestes Stück ist schnell, sauber
und immer auf die Minute pünktlich. Bisher profitieren vor allem die
Japaner selbst von diesen Vorzügen, denn der Hochgeschwindigkeitszug
„Shinkansen“, der Stolz der Nation, fährt kaum im Ausland. Doch weil die
japanische Wirtschaft derzeit nicht richtig in Fahrt kommt und die
Exportnation dringend neue Absatzmärkte braucht, wirbt die Regierung in
Tokio massiv für die heimische Industrie. Zu künftigen Exportschlagern
sollen neben dem „Shinkansen“ auch Atomkraftwerke werden.
Im Transportgeschäft ruhen die Hoffnungen der Japaner und des Schnellzug-Herstellers Hitachi vor allem auf den USA, Brasilien und Vietnam. In den drei Ländern stehen neue Bahnprojekte mit insgesamt mehr als 3000 Kilometern Streckenlänge an. Verkehrsminister Seiji Maehara ist kürzlich eigens in die USA gereist, um dort für den „Shinkansen“ zu werben. Vietnam sucht derzeit ein Unternehmen, das die mehr als 1 600 Kilometer voneinander entfernten Städte Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt verbindet.
Das Projekt ist rund 65 Mrd. Dollar schwer. In Brasilien bewirbt sich Hitachi zusammen mit Toshiba um den Bau einer 530 Kilometer langen Bahnverbindung von Rio de Janeiro nach São Paulo. Der Gewinner der Ausschreibung im Volumen von 19 Mrd. Dollar, der im Dezember bekanntgegeben wird, soll die Strecke nicht nur bauen, sondern auch 40 Jahre lang betreiben.
Auch Japans Atomindustrie winken Milliardenaufträge. Die USA, Russland, China und Indien wollen je etwa 40 neue Meiler bauen. Vietnam sucht Kernkraftbetreiber für 13 Projekte. Erst kürzlich reiste Wirtschafts-Staatssekretär Chiaki Takahashi nach Vietnam, um dort personelle und technische Unterstützung beim Aufbau einer atomaren Energieversorgung anzubieten.
Starke Konkurrenz aus Südkorea
Die Großkonzerne Hitachi, Toshiba und Mitsubishi Heavy haben sich mit drei Energiekonzernen zusammengetan, um gemeinsam um Kernkraft-Aufträge zu buhlen. Doch die Konkurrenz ist im Bahn- wie auch im Energiegeschäft groß. Deutsche Firmen wie Siemens sind stark, China und Frankreich bieten mit – und wie so oft in letzter Zeit auch Japans Nachbar Südkorea. Der konnte zuletzt in den Vereinigten Arabischen Emiraten punkten. Dank massiver Unterstützung der Regierung in Seoul erhielt ein südkoreanisches Konsortium dort im Dezember 2009 den Zuschlag für ein Kernkraftwerksprojekt im Wert von knapp 15 Mrd. Euro.
Auch für das Bahnprojekt in Brasilien hat sich ein Konsortium aus 25 südkoreanischen Firmen, darunter Samsung und Hyundai, beworben. Es verspricht extrem niedrige Ticketpreise, sollte es den Zuschlag erhalten, und wird durch den Exportfinanzierer Korea Eximbank unterstützt. Doch die Japaner wollen die Koreaner mit ihren eigenen Waffen schlagen. So bieten sie etwa Vietnam günstige Kredite im Gegenzug für einen Großauftrag an.
Quelle: Handelsblatt
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